04.04.2019

Der Heimatverein pflegt die historische Banngrenze

Der Heimatverein Oberwürzbach hat im vergangenen Jahr und dieses Frühjahr die historische Banngrenze um Reichenbrunn und Oberwürzbach begangen. Es wurden die noch vorhandenen Grenzsteine erfasst. Einige Steine wurden aufgerichtet, ein Stein lag völlig frei im Wald und wurde neu gesetzt. Alle Steine wurden gereinigt, fotografiert und mit GPS- Daten versehen. Es wurden auch Hinweisschilder mit der Aufschrift „Historischer Grenzstein- bitte schonen“ angebracht.

Ursprünglich lag das Augenmerk nur auf der Grenze um Reichenbrunn, da die Steine dieser Grenze mittlerweile unter Denkmalschutz stehen. 

Beim Heimatverein hat man sich gedacht, dass es schön wäre, wenn auch die noch vorhandenen Steine rund um Oberwürzbach erfasst würden. Mit dieser Aufgabe befasst man sich zur Zeit noch beim Heimatverein. Rund um Oberwürzbach gab es 44 Grenzsteine, viele sind noch erhalten. Die größten Fehlstände gibt es durch das Laichweiher Tal, am Kesselwald hoch Richtung Fuhrweg.

Bei diesen Arbeiten ist man nochmals auf den Dreibannstein bei der Weidenberghütte aufmerksam geworden. Das war der Stein Nummer 1 für die Zählung um Oberwürzbach. Die Inschriften konnten zum Teil nicht richtig interpretiert werden. Hierbei wurde der Heimatverein von Werner Karg unterstützt. Nachdem der Stein von Moos befreit und gereinigt war und ein anderer Stein der Grenze gefunden wurde, konnten so einige Geheimnisse gelüftet werden.

Der Stein ist deutlich älter wie die Steine der Grenze Nassau- Saarbrücken, welche im Jahr 1764-1768 errichtet wurde. Unter dem Wappen von der Leyen waren die Jahreszahlen von „Grenzrenovaturen“ (= Begehungen) von 1722 und 1761 teilweise noch zu erkennen. Auch um 1820, nachdem wir bayrisch wurden, hat man die Beschriftung den neuen Gegebenheiten angepasst. Auf der Hasseler Seite wurden Teile des Namens „Hasell“ (so schrieb man damals Hassel) durch die „33“ übermeiselt. Dies war die Nummerierung der neuen Herren. So hat man das unter der Wolfsangel stehende „W“, welches für Wadgassen stand, kurzerhand mit einem vorgestellten „K“ versehen, was von nun an für „Königlicher Wald“ stand. Der Stein war vor ein paar Jahren bei Forstarbeiten umgedrückt worden und wurde vom Heimatverein wieder aufgerichtet. Hierbei wurde der Stein verdreht. Da es sich um einen Dreibannstein, welcher an der historischen Grenze zu Nassau- Saarbrücken- von der Leyen und Pfalz- Zweibrücken steht, hat man sich entschlossen, den Stein wieder richtig auszurichten. Hierbei wurde der Heimatverein durch den Baubetriebshof der Stadt tatkräftig unterstützt. 

Der Stein ist mit Sicherheit deutlich älter als 300 Jahre und hat so einen manchen Wandel in unserer Heimat gesehen. Aus diesem Grund sollten wir solche Dinge pflegen und erhalten.

Dies hat sich der Oberwürzbacher Heimatverein zur Aufgabe gemacht.

Dreibannstein Nr. 114 der historischen Banngrenze zwischen den Territorien Kloster Wadgassen unter der Oberhoheit von Nassau Saarbrücken, des Herzogtums Pfalz- Zweibrücken und der Grafschaft von der Leyen

 

Die Inschriften sind allseits gut erhalten. Auf der Nordseite weist das Kürzel „PZ“ auf die Besitzung des Herzogtums Pfalz- Zweibrücken hin.

Darunter ist links ein H, die Zahl 33 und ein ELL zu sehen. Die ursprüngliche Beschriftung war „Hasell“ für das heutige Hassel. Das E und das S des Schriftzugs „Hasell“ wurden durch die Zahl „33“ überhauen. Sie gehört zu der fortlaufenden Nummerierung der Grenzmarkierung des bayrischen Waldbesitzes nach 1820.

Auf der Südostseite ist das gräfliche Wappen der Familie von der Leyen zu sehen. Die etwas unbeholfen gearbeitete Buchstabenfolge „GW“ darunter steht für Gemeindewald.

Das Wappen der Familie von der Leyen  wurde wohl in der Zeit 1764- 1768 eingemeißelt. Hierbei wurden die Jahreszahlen der Grenzrenovaturen, oben stehend „1722“, darunter „1761“ überhauen. Die überhauenen Jahreszahlen sind in Ansätzen noch erkennbar.

Auf der Südwestseite ist eine Wolfsangel als Insignie der Grafschaft Nassau- Saarbrücken eingetieft, darunter ein „W“ als Abkürzung für das Kloster Wadgassen und etwas hochgestellt eine „5“. Sie gehört zur barocken Grenzsteinzählung des Banns Oberwürzbach, die mit dem Grenzstein Ensheim Nr. 118 im Süden beginnt und nach Nordosten dem Oberwürzbacher Grenzverlauf folgt.

Im Nordwesten ist nochmals eine Wolfsangel als Zeichen der Grafschaft Nassau – Saarbrücken zu sehen. Das „W“ darunter wurde nach 1820 für die Sekundärmarkierung des königlich- bayrischen Waldes um ein ungelenk eingemeißeltes „K“ zum „KW“ für „Königlicher Wald“ ergänzt.

Die Grenzmarke aus rotem Sandstein wurde mit einem im Grenzabschnitt der Grafschaft von der Leyen häufiger anzutreffenden konvexen Kopf gearbeitet. Im Kopf ist die „Weisung“, d.h. der Grenzverlauf zu den benachbarten Grenzsteinen, eingehauen.

 

Heimatverein Oberwürzbach

Im April 2019